[IP-OA_Forum] Fragen zu OA-Rechten

Katja Mruck katja.mruck at fu-berlin.de
Di Jul 28 11:01:42 CEST 2009


Lieber Herr von Wachter, liebe Frau Richter,

wenigstens kurz zu zwei der angeschnittenen Fragen, der Frage der 
OJS-Uebersetzung und der von Frau Richter aufgeworfenen Frage des 
Umgangs mit Nutzungsrechten:

Wir haben hier an der FU Berlin die Uebersetzung von OJS ins Deutsche 
uebernommen und werden dies auch fuer weitere Releases tun. Involviert 
in das Uebersetzungsteam sind im Moment zwei Redaktionen: die von FQS 
(http://www.qualitative-research.net/) und die von querelles-net 
(http://www.querelles-net.de/). Wir haben uns nach laengeren 
Diskussionen entschieden, bei der Uebersetzung moeglichst nahe am 
Original zu bleiben, das haengt teilweise mit der Praxis dieser 
Uebersetzungsarbeit (Konsistenz verschiedener Dateiversionen) zusammen, 
teilweise ist es dem Gedanken verpflichtet, dass Redaktionen OJS eh fuer 
eigene Bedarfe anpassen werden.
Wir werden allerdings sicher Ihrer Anregung folgend diskutieren, ob wir 
in der kommenden Fassung "Nutzungsrechte" statt "Copyright" uebernehmen. 
(Ich selbst bin z.B. in Bezug auf Punkt 3. des von Ihnen genannten 
Passus eher skeptisch, aber da folgen wir trotzdem dem englischen 
Vorschlag.)

All dies aendert ja nichts daran, dass fuer eine konkrete Zeitschrift 
solche Vorlagen geaendert werden koennen und bei Bedarf natuerlich 
sollen. Womit ich beim naechsten Punkt bin: wenn Sie 
http://www.querelles-net.de/index.php/qn/about/submissions#copyrightNotice 
ansehen und mit 
http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/about/submissions#copyrightNotice 
vergleichen, werden Sie zwei sehr unterschiedliche Varianten finden. In 
Bezug auf FQS -- dass wir uns gegen CC und fuer Uebertragung der 
Nutzungsrechte entschieden haben -- hatte ich bereits viele Diskussion. 
Die Entscheidung ist -- wie alles bei FQS -- im Zuge des praktischen 
Entwickelns der Zeitschrift gefallen (sie kann sich insoweit 
selbstredend auch aendern ;-))

Zum Grund: Niemand von uns hatte mit rechtlichen Fragen viel zu tun, wir 
waren da aehnlich harmlos wie die meisten Autor/innen, die ihre 
Nutzungsrechte ohne Nachdenken bei Veroeffentlichung abgeben. Wir 
erlebten aber bald ein sehr unangenehmes Phaenomen: Anders als bei 
vielen Verlagsveroeffentlichungen (leider!) werden bei uns alle Texte 
begutachtet und muttersprachlich geprueft. Dies wird geleistet durch ein 
internationales Team, das komplett unentgeltlich in die Pflege und 
Entwicklung von FQS involviert ist. Texte erfahren also in diesem 
Prozess eine sehr gruendliche Durchsicht, Ueberarbeitung usw. Nachdem 
dann am Ende inhaltlich und sprachlich qualitativ hochwertige Texte 
vorlagen, kamen Autor/innen tlw. auf die Idee, die nun doch lieber in 
richtigen (kostenpflichtigen Printzeitschriften) zu veroeffentlichen. 
Unsere Intention war nun nicht, zur Verbesserung der Qualitaet 
kostenpflichtiger Zeitschriften beizutragen, sondern wir wollten -- 
neben inhaltlichen Anliegen -- zeigen, dass Open Access und Junk nun 
wirklich nichts miteinander zu tun haben muessen. Deshalb die 
Entscheidung, und wir haben zwischenzeitlich sehr viele Nachfragen von 
internationalen Buchprojekten oder Zeitschriften nach Reprints von 
FQS-Artikeln, Uebersetzungen in andere Sprachen usw. Wir gestatten dies 
in Abstimmung mit den Autor/innen prinzipiell, wenn auf FQS als Ort der 
Erstveroeffentlichung und auf den frei verfuegbaren Volltext verwiesen 
wird. Das klappt problemlos. Wenn Autor/innen uns ansprechen und ihr 
Nutzungsrecht behalten wollen, auch kein Problem. Wir wollten einer aus 
unserer Perspektive sehr unguten Praxis einen Riegel vorschieben. Auch 
das hat geklappt.

Herzliche Gruesse,
Katja Mruck

-- 
FQS - Forum Qualitative Sozialforschung
/ Forum: Qualitative Social Research (ISSN 1438-5627)

http://www.qualitative-research.net/
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Dr. Katja Mruck
Freie Universitaet Berlin
Center fuer Digitale Systeme (CeDiS)
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D - 14195 Berlin

E-mail: katja.mruck at fu-berlin.de
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