[Ipoa_forum_archiv] [IP-OA_Forum] OA-Policy von Verlagen bei MONOGRAFISCHEN Veröffentlichungen

Daniel von Wachter daniel at von-wachter.de
Di Sep 8 15:11:04 CEST 2009


> ist mir nicht bekannt, ob & ggf. wo es systematische Informationen darüber gibt, wie die OA-Politik von Verlagen mit Blick auf MONOGRAFISCHE Veröffentlichungen aussieht - 

Sehr geehrter Herr Nix,
das muß der Autor mit dem Verlag aushandeln. Universitätsverlage und
einige andere Verlage bitten den Autor nie, das exklusive Nutzungsrecht
abzutreten. (Besonders sog. Book-on-Demand-Verlage, aber traditionelle
Verlagen verwenden heute dieselbe Technik wie diese.) Bei anderen muß
der Autor fordern, was er will. Als ich zuletzt einen Verlag suchte, hat
ein Verlag - der für seine Anti-Open-Access-Einstellung bekannt ist -
sofort auf meine Forderung allergisch reagiert, ein anderer hingegen war
sehr kooperativ. Ich habe das exklusive Nutzungsrecht für vier Jahre
abgetreten und im Verlagsvertrag die Möglichkeit, den Text nach einem
Jahr in einem Repositorium abzulegen, vereinbart.

Als ich mit dem Verlag in Kontakt trat, hatte ich das Manuskript einer
früheren Version des Textes schon lange in einem Repositorium abgelegt.
Ich würde generell Autoren empfehlen, nicht nur ihre Aufsätze, sondern
auch auch ihre Monographien nach der Fertigstellung so schnell wie
möglich in einem Repositorium abzulegen. Damit sichern sie auch die
Urheberschaft ihrer Gedanken, denn das Datum des Ablegens wird
festgehalten.

Von einem Kollegen aus Holland habe ich gehört, daß dort die
Universitäten bei Dissertationen die Ablage in einem Repositorium
vorschreiben. Entsprechend hat er den Vertrag mit einem traditionellen
deutschen Fachverlag abgeschlossen. Wenn der Autor das Recht auf OA
fordert, kann er es also bekommen.

Herr Graf hat dargelegt, daß OS bei Monographien den Absatz oft oder
meist eher fördert als schmälert:
http://delicious.com/Klausgraf/monograph_open_access

Meines Erachtens ist es bedauerlich, daß so viele Autoren ungeprüft die
Verlagsvertrage unterschreiben, welche die Verlage ihnen vorlegen, und
damit das exklusive Nutzungsrecht bis 70 Jahre nach ihrem Tod antreten.
Mit diesem Monopol ausgestattet verkaufen die Verlage das Buch zu einem
so teuren Preis, daß die Verbreitung stark eingeschränkt ist. So werden
Verlage zur Ideenverbreitungsverhinderern. Ein treffender Aufsatz dazu
ist Jeffrey Tuckers Artikel "Authors: Beware of Copyright!"
http://www.lewrockwell.com/tucker/tucker121.html . Aus diesem Grunde
finde ich nicht, daß OA bei Monograpien "kein Thema" ist.
Druckkostenzuschüsse sollte man entweder ganz abschaffen (sie stammen
aus der Zeit, als die Herstellung von Büchern viel teurer war - hohe
Druckkostenbeteiligungen der Autoren sind heute nur deshalb so hoch,
weil es die Druckkostenzuschüsse gibt) oder zumindest mit einer
OA-Bedingung verbinden.
D. v. Wachter



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