[Ipoa_forum_archiv] [IP-OA_Forum] OA-Policy von Verlagen bei MONOGRAFISCHEN Veröffentlichungen

Christian Gutknecht christian.gutknecht at hbz.uzh.ch
Di Sep 8 11:09:13 CEST 2009


Guten Tag Sebastian Nix

Bei unserem Repository ZORA  fallen auch diverse Monografien und 
Buchkapitel an. Zur Abklärung der Urheberrechts-Situation schreiben wir 
die Verlage häufig direkt an, da auf Sherpa und den Verlagswebsiten sich 
keine Informationen zur Urheberrechtssituation befinden. Sofern wir eine 
Antwort erhalten, ist diese häufig negativ für den grünen Weg. Vielfach 
erhalten wir jedoch keine Antwort, so dass wir von vielen Buchverlagen 
die Rechtssituation nicht kennen (Siehe unsere Datenbank: 
http://www.oai.uzh.ch/copyright_db.php?)

Ich schätze im Gegensatz zu Zeitschriften, ist Open Access bei 
Monografien und Sammelbeiträgen noch kein wirkliches Thema. Es kommt ja 
auch vor, dass ein Verlag bei Zeitschriften grün OA zulässt,  bei 
Monografien oder Sammelwerken ist dann aber Schluss (z.B. Thieme oder VS 
Verlag). Bezüglich Golden OA-Geschäftsmodelle, trifft man bei nahezu 
allen Buchverlagen (die wenigen erwähnten Uni-Verlage ausgenommem) auf 
geschlossene Türen. Gemäss meinem Eindruck aus den wenigen Kontakten zu 
den meist deutschsprachigen Verlagen, fehlt:

1.  das *korrekte Verständnis von OA seitens Verlage *(hier exemplarisch 
eine Antwort vom Juventa Verlag)

> "dass die Interessen der Universitäten andere sind als die der 
> Verlage, versteht sich. Es ist jedem Wissenschaftler und damit jedem 
> potentiellen Autor freigestellt, die Ergebnisse seiner Forschungen ins 
> Internet zu stellen und dort statt zwischen Buchdeckeln zu 
> veröffentlichen.
> Als Verlag müssen wir bemüht sein, die vertraglich festgelegten Rechte 
> unserer Autoren zu wahren. Dazu gehört, dass eben genau verhindert 
> wird, dass ihre Texte kostenlos zur Verfügung stehen. Sowohl der 
> Verlag als auch die Autoren haben Geld und Zeit investiert, die Bücher 
> herzustellen und haben daher ein berechtigtes Interesse daran, Bücher 
> und Abdruckrechte daran zu verkaufen und die Texte nicht ungeschützt 
> ins Internet gestellt zu sehen"

2.  das *Verlangen der Autoren und deren Institutionen nach OA und 
**klare Signale, dass bei Golden OA die Kosten auch gedeckt* werden. So 
beispielsweise die Antwort vom Chronos Verlag:

> "Verlage erbringen im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich 
> erhebliche inhaltliche und grafische Leistungen an den Texten, die sie 
> publizieren. Vom inhaltlichen Nutzungsrecht der Texte abgesehen, 
> erwerben die Verlage in aller Regel das Recht an der korrigierten und 
> professionell gelayouteten Form der Texte. Wir weigern uns daher  
> zurzeit, den Autoren die Rechte an diesen von uns erbrachten 
> Leistungen abzutreten. Zudem würden wir keine Texte publizieren, die 
> schon open  acess in unredigierter Form greifbar sind. Dies kann aus 
> unserer Sicht  auch nicht im Interesse der Autoren und letztlich der 
> Wissenschaft sein, weil so verschiedene Versionen des gleichen Textes 
> kursieren würden.
> Falls in nächster Zeit Wege gefunden werden, die Verlagsleistungen im  
> Bereich der wissenschaftlichen Publikation tatsächlich abzugelten, 
> würden wir unsere Position überdenken."
>
oder z.B. eine Antwort von Kohlhammer, angesprochen auf Golden OA

> "Bei künftigen Publikationsvorhaben mit Autoren der Universität Zürich 
> werden wir sondieren, ob unser Verlag entsprechende Geschäftsmodelle 
> anbieten kann."
Je grösser die Nachfrage wird, dürfte hier wohl langfristig schon etwas 
ins Rollen kommen. Wie die kürzliche Inetbib-Diskussion um 
OA-Monografien gezeigt hat, fehlt den traditionellen Verlagen der Mut 
auch im Bereich der Monografien mit OA zu experimentieren rsp. schon nur 
Zahlen bekannt zu geben wieviel eine Golden OA Publikation kostet, wenn 
dies von Autoren (überhaupt) verlangt wird.

Vielleicht am Schluss noch eine  Rückfrage, wenn dem 
Wissenschaftszentrum Berlin OA wichtig ist, warum erwägt es nicht  
direkte Kostenzuschüsse für eine OA-Publikation? Ich denke das wäre ein 
Signal das den Verlagen auch Mut zum Expermentieren gibt. Die Förderung 
über Druckkostenzuschüssen erhält doch nur den Status Quo (=kein OA für 
Monografien und Sammelbände).

freundliche Grüsse

Christian Gutknecht

Sebastian Nix schrieb:
> Liebe KollegInnen,
>
> im Rahmen einer systematischen Förderpolitik für seine NachwuchswissenschaftlerInnen erwägt das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) auch die Gewährung von Druckkostenzuschüsse für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Ein mögliches Kriterium für die Gewährung solcher Zuschüsse soll die Frage sein, ob die Verlage auch die Veröffentlichung einer OA-Fassung der jeweiligen Publikation gestatten.
>
> Während hier mit Blick auf Veröffentlichungen in Zeitschriften die SHERPA/RoMEO-Liste noch eine gewisse Orientierung bietet, ist mir nicht bekannt, ob & ggf. wo es systematische Informationen darüber gibt, wie die OA-Politik von Verlagen mit Blick auf MONOGRAFISCHE Veröffentlichungen aussieht - sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich Universitätsverlage tendenziell dem OA-Gedanken verpflichtet fühlen.
>
> Ich würde mich freuen, wenn Sie hier weiterhelfen könnten. Dafür bereits vorab vielen Dank!
>
> Beste Grüße,
>
> Sebastian Nix
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