[IP-OA_Forum] Vergleich Google Books

Klaus Graf klausgraf at googlemail.com
Mo Mär 2 14:14:38 CET 2009


Ich darf dazu auf meine Stellungnahme in INETBIB verweisen:

http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg38235.html

Ich habe in privaten Mails die Idee geaeussert, dass man deutschland-
oder weltweit eine gemeinsame Vertretung von Open-Access-Autoren
initiiert, die ihre Fachpublikationen, soweit sie die Rechte daran
haben, bei Google weltweit kostenfrei zugaenglich machen lassen.
Google wuerde so zum groessten OA-Repositorium. Obwohl mir das ein
grandioser Gedanke erscheint, haben die Adressaten meiner Mails darauf
leider nicht reagiert. Insbesondere das Urheberrechtsbuendnis muesste
sich der Sache annehmen, denn es ist klar, dass nach den bisherigen
Stellungnahmen der Verwertungsgesellschaften die Interessen der
Wissenschaftsautoren bei den Verwertungsgesellschaften in den denkbar
schlechtesten Haenden sind. Die VG Wort wird von Verlagslobbyisten und
erzkonservativen Urheberrechtlern berherrscht, und die
Autorenverbaende werden dominiert von belletristischen Autoren bzw.
Uebersetzern, die von ihren Einnahmen leben wollen oder muessen und
sich bereits mehrhaft strikt ablehnend zu Open Access geaeussert
haben.

Wer OA unterstuetzt muss zunaechst einmal gegenueber der VG Wort
deutlich machen, dass er deren Position zum Google Settlement nicht
mittraegt und dass diese keine Befugnis hat, in seinem Namen zu
verhandeln. Es gibt gravierende Kritik an dem Settlement insbesondere
aus den Reihen der Bibliotheken, die nur zu berechtigt ist. Aber das,
was die Verwertungsgesellschaften wollen, ist fuer die Oeffentlichkeit
und freies Wissen noch viel schlechter als das Settlement. Dieses
fuehrt zwar nicht zu OA der betreffenden gescannten Artikel (=
Buchbeitraege, in der Sprache des Settlements: "Beilagen"), aber doch
zu erheblich mehr Sichtbarkeit auch wenn nur 20 % vergriffener Buecher
gezeigt werden duerfen.

Es geht bei diesem Settlement ausschliesslich um US-Nutzungen. Nach
den bisherigen Erfahrungen duerften diese aber mittels eines US-Proxys
auch hierzulaende moeglich sein.

Wer sich auf der Google-Settlement-Seite anmeldet, hat derzeit nur die
Moeglichkeit, hinsichtlich seiner eigenen Werke (soweit er
Rechteinhaber ist) den Ausschluss zu verlangen bzw. die
Nicht-Darstellung nach den vorgesehenen Bedingungen. Kuenftig sollen
weitere Verwaltungsmoeglichkeiten bestehen. Im Augenblick kann also
ein Wissenschaftsautor nur durch unmittelbare Verhandlung mit Google
erreichen, dass Google sein Werk weltweit frei anzeigt - es ist
anzunehmen, dass Google solche Verhandlungen mit Einzelautoren nicht
fuehrt.

Daher waere es guenstig, wenn Wissenschaftsautoren, die ihre Werke bei
Google vollumfaenglich frei sehen wollen, eine starke Lobby fuer Open
Access aufbauen wuerden.

(Eine finanzielle Beteiligung an der Nutzung waere nicht a priori
ausgeschlossen, da ja nicht nur mit kostenpflichtigen Nutzungen
Einnahmen generiert werden, sondern auch mit Werbeeinnahmen. Aber ich
gehe davon aus, dass die meisten OA-Autoren auf die vergleichsweise
geringen Einnahmen verzichten wuerden.)

Klaus Graf



2009/3/2 Andreas Holtz <holtz at giga-hamburg.de>:
> Liebe Teilnehmer,
>
> hat irgendwer Informationen über den angestrebten Vergleich zwischen
> Autoren/Herausgebern und Google Books? Entstehen Nachteile, wenn an dem
> Vergleich teilgenommen wird? Über eine kurze Antwort würde ich mich
> freuen.




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